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Weltfrauentag 2021 – Die Rolle der Frauen in Kenia

Heute, am 8. März ist Weltfrauentag – ein Tag, an dem seit über 100 Jahren auf die Rechte von Frauen und Missstände in der Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern aufmerksam gemacht wird. Das Motto des diesjährigen Internationalen Frauentages „Frauen in Führungspositionen: Für eine ebenbürtige Zukunft in einer COVID-19-Welt“ geht an der Realität der Frauen und Mädchen in Kenia, die durch ungleiche Bildungschancen und eine ungerechte Rechtslage stark benachteiligt sind, jedoch noch weit vorbei. Nyota verfolgt das Ziel, Mädchen durch Bildung und Förderung zur Gleichberechtigung zu verhelfen. Wir nehmen diesen Tag zum Anlass, die Rolle der Frauen in Kenia und im Nyota-Team vor Ort zu beschreiben.

Geborgenheit für die Waisenkinder der Nyota-Tagesstätte

In der Nyota Kindertagesstätte würde der Alltag ohne unsere 13 Mitarbeiterinnen nicht funktionieren: Für die Betreuung der 36 Kinder, die die Nyota-Kindertagesstätte besuchen, sind Grace und Rose verantwortlich. Die beiden Frauen schaffen im spielerischen Unterricht in English, Mathe und Kiswahili einen vertrauten Raum für die Kinder, damit diese sich entfalten, lernen und Spaß haben können. Für Grace, die schon seit 13 Jahren bei Nyota arbeitet, ist dies mehr als nur ein Job: „Für mich sind diese Kinder wie meine eigenen Kinder.“

Seraphine, Irene und Dorothy sind für die Vorbereitung und Verteilung der leckeren und nährhaften Mahlzeiten für alle zuständig – dazu gehört Frühstück, Mittagessen und der Obst-Snack am Nachmittag. Diese Aufgabe verlangt neben Kochkünsten und viel Schnibbel-Arbeit auch einiges an Kraft ab: Es müssen Wassereimer zur Küche gebracht werden und auch die körperliche Anstrengung beim steten Umrühren eines riesigen Topfes Ugali (einer Art Polenta mit relativ fester Konsistenz) über einer Feuerstelle ist nicht zu unterschätzen – daher wechseln sich die Frauen ab, wenn dieses traditionelle Gericht zubereitet wird. Nereha ist Chefin der Hauswirtschaft bei Nyota und ist für den reibungslosen Ablauf des gesamten hauswirtschaftlichen Betriebes verantwortlich, sie ist ebenfalls seit der Eröffnung der Kindertagesstätte im Jahr 2008 dabei.

KiTa-Erzieherin Madame Rose

Das Nyota Team begrüßt zwei neue Mitarbeiterinnen

Auch bei der Bewirtschaftung des Nyota Green Gardens sind maßgeblich Frauen beteiligt: Benter und Jocinta sind Teil des Teams, das Gemüse und Früchte anpflanzt, pflegt und erntet. Auch hier wird harte körperliche Arbeit geleistet. Doch da ein guter Ertrag lebenswichtig ist, gehen diese beiden Frauen jeden Tag mit Hacke und Schaufel aber auch mit einem Lächeln und Herzblut aufs Feld.

Nereah und Emily kümmern sich um das Waschen, Spülen, Putzen und Aufräumen in der Tagesstätte. Sie waschen nicht nur die Schuluniformen der Kinder mehrmals in der Woche per Hand, sondern pflegen auch die Kinder selbst hygienisch. Eine weitere wichtige Aufgabe kommt Marveline und Beryl zu, die die Patenschaften verwalten und auch die Briefkommunikation zwischen Paten und Patenkind betreuen. Zudem organisieren sie in Zusammenarbeit mit der lokalen Klinik die Besuche der Krankschwester für die regelmäßige Gesundheitskontrolle und eventuelle Behandlung der Kinder.

Wir freuen uns sehr, dass Olivia und Ruth unser Team seit Januar 2021 verstärken. Olivia übernimmt Familienbesuche und damit Teilbereiche der sozialen Arbeit in der Umgebung, während Ruth in der Buchhaltung des Nyota Büros innerhalb der KiTa tätig ist.

Kenias Landwirtschaft auf den Schultern benachteiligter Frauen

Während Nyota e.V. sich für Gleichberechtigung einsetzt, sind junge Frauen in Kenia jedoch immer noch deutlich benachteiligt und es stehen ihnen zahlreiche soziale und kulturelle Hürden im Weg. Besonders im Bereich der Bildung wird dies deutlich: Oft werden Jungen bevorzugt, wenn nur eingeschränkte finanzielle Möglichkeiten bestehen und eine Familie es sich nicht leisten kann, alle Kinder in die Schule zu schicken. Die Mädchen übernehmen verstärkt Rollen im Haushalt, wodurch auch für das weitere Leben diese klassischen Rollenmodelle geprägt werden. Auch sind in Kenia frühe Schwangerschaften und junge Ehen (ca. 23% unter 18 Jahren) häufig.

So kommt es, dass Frauen meist den Haushalt übernehmen, sich um Kinder-Betreuung kümmern und eventuell für den Anbau der eigenen Ernte verantwortlich sind, während Männer öfter Berufe ausüben. Hinzu kommt, dass wenn Eltern bzw. Elternteile früh an Krankheiten versterben, die Kinder zumeist bei Großmutter, Tanten oder Bekannten aufwachsen – diese Familienstrukturen stellen eine weitere große Herausforderung für die Familien dar, in denen die Grundversorgung ohnehin nicht gesichert ist.

Ein Großteil der Frauen arbeitet so in der Landwirtschaft, sei es auf dem Grund der Familie oder als Anstellung. Die Vereinten Nationen geben an, dass 50 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Arbeitskräfte in Afrika Frauen sind. Sie bauen fast 70 Prozent der afrikanischen Nahrungsmittel an. Dennoch sind sie durch die Rechtslage beim Landbesitz benachteiligt.

Nyota setzt sich für die Gleichstellung durch Bildung ein

Aus diesem Grund setzt Nyota e.V. sich dafür an, die Stellung von Frauen und Mädchen in der Gesellschaft durch Bildung zu verbessern. Aktuell werden 104 Mädchen durch Nyota Patenschaften gefördert, 91 davon in KiTa und Primary School sowie 13 an einer Secondary School, einem College oder einer Universität. So unterstützen wir eine neue Generation selbstbewusster Mädchen, die ihren eigenen Weg gehen können.

Zudem spielen auch hier unsere Mitarbeiterinnen eine wichtige Rolle: Sie dienen den Mädchen als Vorbild für ein selbstbestimmtes Leben und können die Kinder im Alltag zu einer eigenen Lebensgestaltung durch Bildung inspirieren. Nyota e.V. unterstützt auch nach der Schulzeit die Chancen von Frauen auf Bildung. So nutzen viele Frauen in der Region Lwala die Möglichkeit, sich in unseren Organic Farming Workshops weiterzubilden und dadurch ihre Lebenssituation zu verbessern.

Durch Aufklärungsarbeit Unsicherheiten beseitigen

Ein weiterer wichtiger Aspekt in der Gleichstellung von Frauen und Mädchen ist sexuelle Aufklärungsarbeit. Denn auch heute noch sind Empfängnis, Verhütung und weibliche Intimhygiene in Kenia Tabu-Themen, wodurch viele Mädchen verunsichert sind. Zudem kommt es zu vielen ungeplanten Schwangerschaften bei jungen Mädchen. Seit dem Jahr 2020 führen neben den Nyota Sozialarbeiterinnen auch Janet (22) und Elizabeth (25), die ebenfalls von Nyota gefördert werden, Gespräche mit den jüngeren Mädchen zwischen 13 und 16 Jahren über Intimhygiene und Schwangerschaften. Janet, die eine College-Ausbildung zur Krankschwester absolviert, kann wertvolles medizinisches Wissen übermitteln, während Elizabeth, die selber schon Mutter ist, von ihren persönlichen Erfahrungen berichten kann. Die beiden Frauen schaffen einen Zugang auf Augenhöhe zu den Mädchen und ermöglichen ihnen eine komfortable Atmosphäre, um sich über diese Themen auszutauschen, Fragen zu stellen und Rat einzuholen.

Durch eine Spende können Sie die Arbeit von Nyota unterstützen – z.B. den Nyota Education Fund: dieser fördert jedes Jahr Jugendliche Secondary SchülerInnen und Auszubildende

Weltfrauentag 2021 – Die Rolle der Frauen in Kenia
Ein Text von Marie Lechler und Ligia Maria Roes

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