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Wie Nyota-Patenkinder den Lockdown erleben

Ein Besuch bei Familie Ouma in Lwala

Seit Mitte März ist die Nyota Kindertagesstätte, wie alle Schulen in Kenia, als Vorkehrung gegen die Ausbreitung des Coronavirus für das restliche Schuljahr geschlossen. Dies verschärft die ohnehin prekäre Situation der Kinder im Nyota-Patenprogramm und ihrer Familien weiter. In der Reihe „Wie Nyota-Patenkinder den Lockdown erleben” berichten wir von den Lebensumstände der Familien sowie den Sorgen und den Hoffnungen der Kinder in der aktuellen Notlage. Diesmal waren wir bei den Nyota-Patenkindern Velma Akoth und Dickson Otieno Ouma zu Besuch.

Auch in Kenia herrscht durch die weltweite Ausbreitung des Coronavirus seit Monaten eine Ausnahmesituation. Zwar sind die aktuellen Infektionszahlen deutlich geringer als hierzulande (16.643 Infektionen, 278 Todesfälle, Stand 26.07.2020), allerdings wurde als Vorsichtsmaβnahme ein umfassender Lockdown verhängt, der die ohnehin von Hunger betroffene Bevölkerung zusätzlich stark belastet. Mitte März wurden als Maßnahme zur Eindämmung des Virus landesweit alle Schulen geschlossen – darunter auch die Nyota Kindertagesstätte.

Seitdem machen sich die Nyota Mitarbeiter jeden Tag auf den Weg zu unseren Schülern und ihren Familien, um sie mit Nahrung, Seife und Masken sowie mit aktuellen Informationen zu versorgen. Gerade in dieser beispiellosen Situation ist es uns ein besonderes Anliegen, den Kontakt zu den Kindern aufrecht zu erhalten. Nur so können wir ihren Sorgen Gehör schenken, mehr über ihre konkreten Bedürfnisse erfahren und ihnen zeigen, dass Nyota auch trotz des Lockdowns für sie da ist.

So lebt Familie Ouma

In einer dieser Familie leben Velma (15) und ihr Bruder Dickson (13) Ouma zusammen mit acht weiteren Geschwistern, einem Pflegekind und ihrer Mutter Monica Atieno Ouma: Die Familie lebt von Erträgen eines kleinen Feldes, das sie bestellen. Nachdem der größte Teil der angepflanzten Maispflanzen durch den schweren Hagel Anfang des Jahres zerstört wurde, nutzt die Familie das Feld nun hauptsächlich als Weide für ihr Schaf und ihr Kalb, die sie zusätzlich zu ihren Hühnern halten. Das alltäglich nötige Wasser beziehen sie dabei von einem kleinen Bach in der Nähe des Feldes. Damit die Familie über die Runden kommt, helfen die Kinder bei den anfallenden Aufgaben mit – sei es bei der morgendliche Feldarbeit, dem Füttern und Hüten der Tiere oder dem Tragen der schweren Wasserkanister.

Unser Besuch bei Velma und Dickson

Als sich unser Primary-Lehrer Ken Charles zusammen mit Nyota-Sozialarbeiterin Beryl Ende Mai ein Bild von der Situation der Familie macht, finden sie Velma und ihre Mutter Monica beim Frühstück – bestehend aus Maniok-Hirse Porridge und Süßkartoffeln – vor. Beide sind nach der morgendlichen Arbeit auf dem Feld sichtlich erschöpft. Dennoch zeigen sie uns gerne ihren Hof – besonders stolz sind sie dabei auf ihre neue Handwasch-Station, die sie direkt vor dem Haus als Hygiene-Maßnahme gegen die Verbreitung des Virus aufgestellt haben.

Valentine und Ken Charles vom Nyota Team Kenia besuchen täglich mehrere Familien und schauen nach deren Wohl

Velma ist eine Schülerin der 8. Klasse der Lwala Primary School und bereitet sich darauf vor, die nationalen Abschlussprüfungen Ende des Jahres abzulegen, damit sie im nächsten Jahr die Secondary School besuchen kann. Ob die Abschlußprüfungen jedoch tatsächlich stattfinden werden, ist derzeit noch unklar. Ihr Bruder Dickson ist ein Fünftklässler der Lwala Grundschule. Beide geben uns eine Führung, zeigen uns ihre täglichen Aufgaben und auch den Platz, an dem sie normalerweise ihre Hausaufgaben erledigen. Da die Familie aufgrund von Generatorproblemen keinen Zugang zu Elektrizität hat, nutzen die Kinder für ihre Hausaufgaben am Abend eine Solarlampe, die sie durch Nyota erhalten haben, als Lichtquelle.

Die selbst gebaute Handwasch-Station vor dem Haus als Hygiene-Maßnahme

Was bewegt die Familie während des Lockdowns?

Bei unserem Rundgang suchen wir auch das persönliche Gespräch mit den Kindern. Besonders Velma berichtet dabei von ihrer Unsicherheit in der aktuellen Situation und ihrer Angst vor COVID-19 – aber auch von ihrer Hoffnung, trotz allem bald wieder die Schule besuchen zu dürfen.
Auch die Sorgen ihrer Mutter sind groß: Nach unserer Führung berichtet sie uns von den Problemen, die für ihre Familie durch die aktuelle Situation entstehen. So wird es für die Witwe von Tag zu Tag schwieriger ihre zehn eigenen Kinder sowie ihr Pflegekind zu ernähren – die Preise in den wenigen, geöffneten Geschäften sind extrem hoch und die eigene Ernte ist größtenteils wetterbedingt ausgefallen. Sie hofft nun, dass das angepflanzte Gemüse, das den Hagelsturm überstanden hat, einen guten Ertrag für die Familie bringt. Um das Gemüse zu verkaufen und auch andere nötige Lebensmittel zu kaufen, müssten allerdings die als Umschlagplatz für die Bevölkerung nötigen lokalen Märkte wieder erlaubt werden.

Der Halbwaise Dickson Ouma im Februar in der Lwala Primary School

Außerdem fürchtet sie, dass die Schulleistung der Kinder durch die lange Zeit, in der sie nicht zur Schule gehen können, beeinträchtigt wird. Auch seien die Lernmaterialien, die von der Grundschule zur Verfügung gestellt werden, nicht ausreichend für den Unterricht zuhause – ein Problem, dem Mr. Charles glücklicherweise gleich nach dem Gespräch durch zusätzliche Bücher Abhilfe schaffen kann. Zwar sieht sich Familie Ouma während der Pandemie vielen zusätzlichen Problemen gegenübergestellt, dennoch geben sie sich nicht geschlagen: Als sich unser Besuch nachmittags zu Ende neigt versichert uns Monica, dass sie fest an eine Besserung der Situation glaubt – “Es liegt alles in Gottes Hand”.

Neben Velma und Dickson werden zwei weitere Kinder der Familie Ouma durch das Nyota-Patenprogramm gefördert. Durch einen Förderbeitrag – in Form einer Patenschaft oder ein Einmalspende – können Sie und Du unsere Arbeit und die Familien in Lwala in dieser besonders schwierigen Zeit unterstützen.

Nyota helfen zu helfen – Durch Spenden können wir die Notversorgung für Familien und Kinder in Lwala aufrechterhalten

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